Veröffentlicht am: 14.01.2026
Anne Pietag ist als Dozentin bei uns im Haus für Seminare im Bereich Kommunikation und Unternehmensführung tätig. In diesem Interview berichtet sie, was sie dazu inspiriert hat, ihr Wissen weiterzugeben, welche Botschaften sie den Teilnehmern vermittelt und welche Methoden ihr besonders wichtig sind, um eine lebendige Lernumgebung zu schaffen. Sie spricht darüber, wie Konflikte als Chance für persönliches und berufliches Wachstum genutzt werden können, teilt prägende Erfahrungen aus ihrer eigenen Karriere und erklärt, woran sie den Erfolg einer Veranstaltung misst.
Was hat Sie dazu inspiriert, als Dozentin im Bereich Unternehmensführung zu arbeiten?
„Ich bin seit zehn Jahren als Coach im Business-Bereich tätig, habe aber in der Form noch nie als Dozentin gearbeitet. Allerdings habe ich schon viele Workshops und Seminare außerhalb der IHK gegeben. Über die Jahre habe ich so viel spannendes Wissen gesammelt, das ich gern weitergeben möchte.
Es geht mir weniger darum, vorne zu stehen und etwas zu erzählen, sondern um ein Miteinander. In meinen Seminaren soll es praktisch und gemeinschaftlich zugehen, nicht nur theoretisch.“
Was möchten Sie den Teilnehmern in Ihren Seminaren mit auf den Weg geben?
„Im Seminar kann man die ersten Schritte üben, ganz in Ruhe seine Fehler und Erfahrungen machen. Man bekommt wertvolles Feedback und ist bestens auf den ‚Ernstfall‘ vorbereitet.“
Welche Methoden und Ansätze sind Ihnen in Ihren Trainings und Workshops wichtig, um eine lebendige und effektive Lernumgebung zu schaffen?
„Mir ist eine vertrauliche Atmosphäre sehr wichtig. Alles, was im Seminar besprochen wird, bleibt dort, sodass jeder offen und ehrlich über seine Themen sprechen kann. Ich möchte, dass man nicht nur an der Oberfläche bleibt, sondern wirklich in die Tiefe geht.
Dabei entwickeln die Teilnehmenden Ansätze, wie sie Veränderungen herbeiführen können.
„Konflikte lösen“ ist eine Schlüsselkompetenz in vielen Bereichen. Inwiefern sehen Sie Konflikte als eine Chance für persönliches und berufliches Wachstum?
„Konflikte sind immer Chancen, werden aber oft gemieden, weil Menschen sich nicht trauen, sich damit auseinanderzusetzen, oder Angst haben, etwas Unkontrollierbares auszulösen.
Dabei fördern Konflikte oft wichtige Themen zu Tage – z. B. ungeklärte Verantwortlichkeiten oder nicht funktionierende Prozesse. Wer mutig ist, diese Konflikte offen anzugehen, kann sehr viel lernen und wächst daran. Konflikte sind ein Lernfeld: Wenn alles immer klappt, lernen wir nichts. Übung und Mut machen den Umgang mit Konflikten leichter und letztlich auch erfreulicher.“
Gab es ein Schlüsselerlebnis oder eine Erkenntnis in Ihrer eigenen Karriere, das Ihre Sichtweise auf Führung und Konfliktlösung maßgeblich beeinflusst hat?
„Ein konkretes Schlüsselerlebnis kann ich nicht benennen, aber ein Beispiel aus meiner Praxis: Ich musste einmal einen Mietvertrag für eine Tanzschule kündigen und habe das zunächst falsch angegangen. Das führte zu einem langwierigen Schriftverkehr, der mich emotional stark belastete.
Schließlich habe ich den Vermieter direkt angerufen, meine Gefühle klar und emotional geäußert – und wir fanden eine gute Lösung. Dieses Erlebnis hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, Emotionen ernst zu nehmen, mutig zu handeln und Verantwortung zu übernehmen. Konfliktlösung funktioniert nur, wenn man die Emotionsebene mit einbezieht.“
Was bedeutet für Sie der Erfolg einer Veranstaltung? Welche Rückmeldungen oder Ergebnisse sind für Sie besonders wertvoll?
„Erfolg bedeutet für mich, dass eine Atmosphäre der Offenheit entsteht, in der die Teilnehmer auch Dinge ansprechen, die sie sonst nicht äußern würden. Ich freue mich, wenn die Menschen fröhlich, zuversichtlich und aufrecht aus dem Seminar gehen.
Mir ist wichtig, dass sie lernen, die Dinge nicht zu ernst zu nehmen, Leichtigkeit zulassen und offen für neue Lösungsansätze sind. Das Experimentieren mit neuen Ideen, ohne dass sofort alles perfekt laufen muss, ist für mich ein zentraler Indikator für einen erfolgreichen Workshop.“
