Veröffentlicht am: 07.01.2026
Die sächsische Justizvollzugsanstalt Waldheim arbeitet seit vielen Jahren eng mit der IHK-Bildungszentrum Dresden gGmbH zusammen – insbesondere in der beruflichen Weiterbildung der Inhaftierten. Zum 30-jährigen Jubiläum haben wir mit Michaela Tiepner (Referentin für Öffentlichkeitsarbeit) über die Entwicklung der Zusammenarbeit, besondere Erfahrungen und Erfolge sowie die Bedeutung der Qualifizierungen für die Gefangenen gesprochen.
Die sächsische Justizvollzugsanstalt Waldheim arbeitet schon seit vielen Jahren mit uns zusammen. Welche Erinnerungen oder besonderen Meilensteine verbinden Sie mit unserer 30-jährigen Zusammenarbeit?
„Wenn ich auf die 30-jährige Zusammenarbeit zurückblicke, sind es für mich weniger einzelne Meilensteine, die im Vordergrund stehen. Viel prägender ist die durchgehende Stabilität dieser Partnerschaft. Gleichzeitig haben wir über die Jahre ein stetiges Wachsen und Verändern erlebt – immer angepasst an neue Anforderungen und Entwicklungen. Genau diese Kombination aus Verlässlichkeit und Weiterentwicklung schätzen wir an der Zusammenarbeit mit dem Bildungszentrum besonders.“
Wie hat sich die berufliche Weiterbildung von Gefangenen in Waldheim in den letzten Jahrzehnten entwickelt?
„Die berufliche Weiterbildung von Gefangenen in der JVA Waldheim hat sich in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich weiterentwickelt. Sie orientiert sich heute deutlich stärker an den Anforderungen des Arbeitsmarktes und an aktuellen technischen Entwicklungen.
So kommen inzwischen hochmoderne CNC-Anlagen, Robotiksysteme und sogar 3-D-Drucker zum Einsatz. Diese moderne Ausstattung ermöglicht es, praxisnahe Qualifikationen zu vermitteln und die Gefangenen gezielt auf eine spätere berufliche Integration vorzubereiten.“
Wie profitieren die Gefangenen von dieser Qualifizierung, sowohl fachlich als auch für ihre Resozialisierung?
„Die Gefangenen profitieren von der beruflichen Qualifizierung in mehrfacher Hinsicht. Während der Haft gibt sie dem Alltag Struktur, vermittelt Wissen und bietet eine sinnvolle Aufgabe – verbunden mit der nicht unwichtigen Möglichkeit, ein eigenes Einkommen zu erzielen.
Für die Resozialisierung spielt die Qualifizierung eine entscheidende Rolle: Sie erleichtert den Einstieg in ein geregeltes Berufsleben, stärkt Selbstwertgefühl und Stolz auf das Geleistete und eröffnet die Chance, mit legalen Mitteln Anerkennung und Perspektiven in der Gesellschaft zu gewinnen.“
Gibt es besondere Projekte oder Erfolge aus der Vergangenheit, auf die Sie heute noch stolz zurückblicken?
„Wenn wir zurückblicken, sind es weniger einzelne Projekte, die im Vordergrund stehen. Vielmehr macht uns die langjährige, kontinuierliche und kollegiale Zusammenarbeit mit den Ausbildern besonders stolz.
Was sie tagtäglich für die Gefangenen und die JVA leisten, wird unter anderem durch die positiven Rückmeldungen der Besucher bei unserem jährlichen Informationstag für die Öffentlichkeit sichtbar. Diese Resonanz bestätigt den gemeinsamen Weg und den nachhaltigen Erfolg der Zusammenarbeit.“
Welche besonderen Herausforderungen bringt die Ausbildung in einer Justizvollzugsanstalt mit sich?
„Die Ausbildung in einer Justizvollzugsanstalt bringt besondere Herausforderungen mit sich. So muss sie stets im Rahmen der Sicherheitsvorgaben der Anstalt stattfinden – beispielsweise ist eine Internetrecherche zu einem Thema nicht möglich. Außerdem kann es zu Unterbrechungen durch vollzugliche Abläufe kommen, etwa wenn Gefangene Termine bei Gericht wahrnehmen oder an Maßnahmen zur Eingliederungsplanung teilnehmen.
Gleichzeitig bietet die Ausbildung aber auch Vorteile: Da der Alltag der Gefangenen vergleichsweise wenig Abwechslung bietet, können sie sich sehr konzentriert auf die Ausbildungsinhalte fokussieren, was das Lernen oft effizient und intensiv macht.“
Was wünschen Sie sich für die Gefangenen, die an solchen Qualifizierungen teilnehmen – langfristig für Beruf und Leben?
„Mein Wunsch für die Gefangenen, die an diesen Qualifizierungen teilnehmen, ist, dass sie das Gelernte erfolgreich im Berufsleben umsetzen können. Langfristig sollen sie dadurch nicht nur beruflich Erfolg haben, sondern auch die Möglichkeit erhalten, nach der Haft ein selbstbestimmtes Leben zu führen und in Freiheit sicher Fuß zu fassen.“
Angenommen, unsere Partnerschaft wäre ein Musikstück: Welches Genre oder Lied würde am besten passen?
„Wenn unsere Partnerschaft ein Musikstück wäre, würde ich sie mit Loungemusik vergleichen: Sie rundet unsere Arbeit in der JVA perfekt ab und schafft eine angenehme, unterstützende Atmosphäre. Es wäre wirklich schade, wenn diese Partnerschaft fehlen würde.“
