Veröffentlicht am: 20.08.2026
Katja Schumann ist Diplom-Wirtschaftspsychologin und verbindet als Dozentin bei uns psychologisches Know-how mit Praxiserfahrung. Im Interview erzählt sie, wie ihre vielfältigen Erfahrungen sie geprägt haben und was sie dazu inspiriert hat, als Dozentin tätig zu werden. Außerdem erklärt sie, weshalb Resilienz und Wertschätzung für sie zentrale Kompetenzen in der modernen Arbeitswelt sind und wie sie in ihren Workshops diese Kompetenzen erlebbar macht.
Erzählen Sie gern kurz etwas über sich. Wer sind Sie? Wie ist Ihr beruflicher Werdegang? Was machen Sie aktuell beruflich?
„Mein Name ist Katja Schumann, ich bin Diplom-Wirtschaftspsychologin und habe einen etwas ungewöhnlichen Weg hinter mir. Viele Jahre habe ich im Kundenbeziehungsmanagement und im Vertrieb gearbeitet und dabei sehr konkret erlebt, was Menschen in Organisationen antreibt und was sie ausbremst. Aus diesen Erfahrungen heraus berate und trainiere ich heute Unternehmen und das betriebliche Gesundheitsmanagement, hauptsächlich zu den Themen Resilienz und Wertschätzung.
Und dann gibt es noch ein zweites Projekt, das mir sehr am Herzen liegt: eine kleine Sockenfirma. Klingt erstmal überraschend, aber die Socken werden regional in Sachsen produziert und tragen stärkende Botschaften rund um das Thema Selbstfürsorge. Denn Selbstfürsorge ist kein nettes Extra, sie ist ein zentraler Baustein der Resilienz. Für mich ist das also kein Widerspruch zu meiner Trainingsarbeit, sondern eine andere Ausdrucksform derselben Haltung.“
Was hat Sie dazu inspiriert, als Dozentin zu arbeiten?
„Ich habe im Laufe meines Berufslebens viele Trainings und Workshops erlebt – und selbst gehalten. Was mich daran immer wieder fasziniert hat, ist dieser besondere Moment, wenn Menschen zusammenkommen, sich austauschen und mit echtem Tatendrang rausgehen. Dieses Gefühl, inspiriert und gestärkt zu sein, das wollte ich weitergeben. Für mich war deshalb klar: Wenn ich selbst Workshops anbiete, dann zu etwas, das Menschen wirklich stärkt. Das zahlt auf meine persönlichen Werte ein.
Das Thema Resilienz hat mich übrigens schon im Studium berührt. Ich fand es damals sofort spannend, habe es aber zunächst nicht weiterverfolgt. Dann kam Corona. Mein damaliger Arbeitgeber fragte mich, ob ich nicht Workshops zum Thema Stressmanagement übernehmen könnte. In diesem Moment ist mir das Thema wieder begegnet und zwar mit einer ganz anderen Dringlichkeit als zuvor. Ich habe die Gelegenheit beim Schopf gepackt und mich zur Resilienz-Facilitatorin ausbilden lassen. Seitdem verbinde ich genau das, was mir immer am meisten Freude gemacht hat: stärkende Inhalte und das Zusammenbringen von Menschen.“
Auf welche Themen und Veranstaltungsformate haben Sie sich in Ihrer Dozententätigkeit bei uns spezialisiert?
„Ich habe mich auf zwei Themen spezialisiert, die ich für absolut zentral halte: Resilienz und Wertschätzung. Nicht, weil sie gerade im Trend sind, sondern weil sie langfristig wirken.
Resilienz ist für mich eine der Schlüsselkompetenzen unserer Zeit. Wir erleben gerade eine Geschwindigkeit der Veränderung, die viele Menschen an ihre Grenzen bringt. Resilienz hilft dabei, diese Herausforderungen nicht einfach nur auszuhalten, sondern konstruktiv damit umzugehen und dabei mental in Balance zu bleiben. Das ist kein Luxus, sondern eine Grundvoraussetzung für das Erarbeiten von Lösungen.
Beim Thema Wertschätzung höre ich in der Praxis immer wieder dasselbe: Mitarbeiter sagen, dass sie sich und ihre Arbeit nicht ausreichend wertgeschätzt fühlen. Und das hat ganz konkrete Folgen für Motivation, den Umgang mit Kunden, für Vertrieb und Innovationskraft. Wertschätzung ist deshalb keine nette Zusatzkompetenz, sondern ein echter Hebel für Unternehmensleistung und -erfolg.
Was meine Formate angeht: Ich arbeite am liebsten im Workshop-Charakter, weil ich überzeugt bin, dass Menschen dann wirklich etwas mitnehmen, wenn sie nicht nur zuhören, sondern gleich selbst ausprobieren und in die Umsetzung kommen. Beim Thema Resilienz biete ich zwei Varianten an: einen kompakten, zweitägigen Workshop – ideal für alle, die das Thema intensiv und zügig erschließen wollen, und ein Begleitformat über einen längeren Zeitraum mit regelmäßigen Impulsen – für alle, die lieber kontinuierlich dranbleiben und Erkenntnisse Schritt für Schritt in ihren Alltag integrieren möchten.“
Resilienz spielt in der neuen Arbeitswelt eine große Rolle. Aber was ist Resilienz eigentlich und weshalb ist sie so wichtig im Berufsalltag?
„Für mich bedeutet Resilienz, Herausforderungen mit innerer Stärke und einem lösungsorientierten Mindset zu begegnen. Manche nennen sie psychische Widerstandsfähigkeit, im Volksmund spricht man auch vom seelischen Immunsystem. Ich finde dieses Bild sehr treffend, weil es sofort klar macht, worum es geht: mit Belastungen und neuen Situationen selbstsicher, gelassen und lösungsorientiert umzugehen und daran zu wachsen.
Was mich an diesem Thema besonders fasziniert, ist seine Geschichte. Die Resilienzforschung begann in den 1950er Jahren mit einer außergewöhnlichen Langzeitstudie: Die amerikanische Psychologin Emmy Werner hat den kompletten Geburtsjahrgang 1955 der hawaiianischen Insel Kauai über 40 Jahre hinweg begleitet. Und sie machte eine erstaunliche Entdeckung: Es gab Kinder, die unter wirklich widrigen Umständen aufgewachsen sind und sich trotzdem bemerkenswert gut entwickelt haben. Die sich einfach nicht unterkriegen ließen. Werner fragte: Was schützt diese Menschen? Und so begann die Suche nach den sogenannten Schutzfaktoren. Eine Forschung, die bis heute andauert und immer neue Erkenntnisse bringt.
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis daraus ist: Resilienz ist keine starre Eigenschaft, die man entweder hat oder nicht hat. Sie lässt sich gezielt stärken und trainieren. Das ist der Grund, warum ich dieses Thema in Workshops vermittle. Und die Relevanz wächst gerade enorm. Wir erleben eine Arbeitswelt, die schneller, komplexer und veränderungsreicher geworden ist. Neue Technologien, wirtschaftlicher Wandel, mehrdeutige Situationen. In diesem Umfeld reichen fachliche Qualifikationen allein nicht mehr aus. Resilienz ist das, was Experten heute eine Meta-Kompetenz nennen, einen Future Skill. Also eine der Fähigkeiten, die in der Arbeitswelt von morgen den entscheidenden Unterschied machen werden.“
Was möchten Sie den Teilnehmern in Ihren Seminaren mit auf den Weg geben?
„Resilienz ist kein Schalter, den man einfach umlegt. Sie setzt sich aus verschiedenen Kompetenzen zusammen. Mein Anspruch in den Workshops ist, dass die Teilnehmer diese Kompetenzen nicht nur verstehen, sondern wirklich spüren. Nicht im Kopf, sondern im Erleben.
Dafür arbeite ich nach dem Resilienz-Zirkel-Training von Gabriele Amann. Ein Ansatz, der genau das ermöglicht: Resilienz wird direkt fühl- und erlebbar. Das ist für viele ein echter Aha-Moment. Was ich dabei besonders schön finde: Wir Menschen sind von Natur aus resilient. Das ist kein Wunschdenken, das zeigt die Forschung. Was passiert, ist manchmal, dass bestimmte Kompetenzen im Alltag in den Hintergrund geraten – durch Druck, durch Gewohnheit, durch belastende Erfahrungen. In meinen Workshops geht es deshalb nicht darum, etwas völlig Neues zu lernen. Es geht darum, das Eigene wiederzufinden und gezielt zu stärken, als aktive Prävention und um sich der eigenen Stärken und Handlungsfähigkeit wieder bewusster zu werden.“
